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Geschrieben von: Dr. Reinhard Höllerich  

Dr. Georg Stephan Lechner

Gründer der „Privatunterrichtsanstalt für höhere weibliche Bildung“ in Hof

Biografie

Über den Gründer der „Höheren Mädchenschule“ ist leider nur noch sehr wenig zu erfahren. Was wir sicher wissen stellt sich folgendermaßen dar.

Fotografie eines gemalten Portraits von Dr. Georg Stephan Lechner, Foto vermutlich zwischen ca. 1880 und 1920, Standort und Verbleib des Gemäldes unbekannt

Hier einige Fakten:

Geboren am 12.11.1789 in Erlangen, gestorben am 7.7.1853 in Hof.

Seit 15.10.1813 wirkte er als Oberprimärlehrer in Ansbach, seit 1.7.1817 Progymnasiallehrer und seit 20.10.1817 Gymnasialprofessor in Hof, vom 10.10.1822 bis zu seinem Tode Studienrektor in Hof. 1 Lechners Taufbucheintrag im Taufbuch der Erlanger Neustadt ist uns erhalten, ebenso der Eintrag der Eheschließung seiner Eltern Ulrich und Anna Margaretha Lechner, geb. Lang. Lechners Vater und sein Großvater waren von Beruf „Ministerialis academicus“, also Bedienstete bei der Universität2

Einiges, was wir von Lechner wissen, ergibt sich beim Herumstöbern in der Geschichte des heutigen Jean-Paul-Gymnasiums in der Zeit nach dem Übergang der Stadt Hof an das neue Königreich Bayern im Jahr 1810.

Am 7. November 1811 erfolgte die Schließung des „Alberto Fridericianum“ (heute Jean-Paul-Gymnasium) nach 365 Jahren seiner Gründung auf Befehl seiner Majestät des Königs von Bayern im Zuge der Neustrukturierung des jungen Königreichs. Auf Initiative der Hofer Bürger erfolgte dann aber die Wiedereröffnung und am 6. November 1817 die feierliche Einweihung als ‚Königliche Studienanstalt‘.

„Als Rektor wurde Dr. Andreas Neubig aus Regensburg berufen. An seine Seite trat Gymnasialprofessor Dr. Georg Stephan Lechner aus Ansbach, der von 1822-1850 die Schule leiten sollte.3 Diese Hofer Schule genoss „auch im 19. Jahrhundert dank einer Reihe hochqualifizierter und tatkräftiger Rektoren und Lehrer einen ausgezeichneten Ruf. Stellvertretend für viele sei der langjährige Schulleiter Dr. Georg Stephan Lechner (1822-1853) genannt, der 1837 die höhere Töchterschule als eine der ältesten Mädchenschulen Bayerns gründete und diese als Privatanstalt über etliche Jahre hinweg nebenamtlich leitete“4, nämlich bis 1850, dann kam Pfarrer Scheuerlein als Schulleiter.

Lechner war also bis 1817 Lehrer an der privaten Mädchenschule, dem heutigen „Theresianum“, in Ansbach. Leider lässt sich über diesen Lebensabschnitt nichts mehr herausfinden.

Lediglich die „Allgemeine Literaturzeitung Halle und Leipzig“ berichtet1816 unter „Literarische Nachrichten“:- „Am 12. August 1816 erhielt Hr. Georg Stephan Lechner, aus Erlangen, Candidat des Predigtamts und Lehrer an der Oberprimarschule zu Ansbach, von der philosophischen Fakultät [der Universität Erlangen] das Diplom als Doctor der Philosophie, nachdem er die gewöhnliche Prüfung mit Ehren bestanden und eine Probeschrift de Grammaticae Latinae indole atque historia eingereicht hatte.“5

Lechner war ein sehr vielseitiger und engagierter Pädagoge, der die Zeichen der Zeit genau erkannte, auch wenn er sich in seinen vielen Veröffentlichungen mit philologischen und historischen Fragen auseinandersetzte. Dabei musste man im damaligen Schulbetrieb ein richtiger Allrounder sein, wie sein Unterrichtseinsatz 1818 in seinem zweiten Hofer Dienstjahr an der Königlichen Studienanstalt zeigt:

Professor und Rectoralassessor Dr. Lechner

Religion

2 Wochenstunden

Latein

10 Wochenstunden

Griechisch

9 Wochenstunden

Deutsche Sprache

3 Wochenstunden

Geschichte und Geografie

2 Wochenstunden

Arithmetik

1 Wochenstunde

27 Wochenstunden in der „Untergymnasialklasse“ bedeuten in diesen Fächern aus heutiger Sicht eine schier unglaubliche Arbeitsleistung, allerdings bestand diese Klasse nur aus 12 Schülern. 6 Die ganze Schule hatte damals 54 Schüler.

Schon fünf Jahre nach seinem Amtsantritt in Hof hat er am 16. Februar 1824 eine bemerkenswerte „Rede, bei der am Jubelfeste der fünf und zwanzigjährigen Regierung des Königs von Baiern, Maximilian Joseph … in der k. Studienanstalt zu Hof veranstalteten Feierlichkeiten gehalten“, die bei Gottfried Adolph Grau im Druck erschienen ist7 Drei weitere Schriften seien genannt, nämlich 1828 „Observationes in nonullos Sallustii locos“8, 1837 „Explicantur tres loci Tusculanarum Disputationum Ciceronis (II,7,18 – II,12,28 – II,25,60) 9 und 1846 „Schicksale und Zustände des Gymnasium in Hof bis in die ersten Jahre des 19. Jahrhunderts, I. Abtheilung, dargestellt bei der am 25. und 26. August 1846 begangenen Feier der dreihundertjährigen Einweihung desselben, von Dr. Georg Stephan Lechner, Stdr. u. P. – 1846, Hof, Mintzel (Hörmann), S.III – IV, n.1-52“.10

Wahrscheinlich kannte Lechner noch aus seinen Anfangsjahren bis 1817 die private Mädchenschule in Ansbach, die als Vorläuferin des Theresianum gilt und 1795 als „Höhere Mädchenschule“ von Dr. Johann Gottlieb Reuter gegründet wurde 11. Als Vorbild für seine „Privatunterrichtsanstalt für höhere weibliche Bildung“ in Hof stand ihm mit Sicherheit das 1828 gegründete „Thaumeder’sche weibliche Erziehungs-Institut“ in Bayreuth12 vor Augen, auf das er sich in seinem Gesuch vom 5. Mai 1837 an den Stadtmagistrat bezieht, als es ihm um die Frage der Finanzierung ging.13

Als Lechner 1850 die Leitung der Mädchenschule, die er neben seiner Tätigkeit an der Königlichen Studienanstalt ausführte, abgab, blieben ihm nur noch drei Jahre bis zu seinem Tod.

Im Dekanatsarchiv Hof findet sich folgender Eintrag im Sterberegister:

Herr Dr. Georg Stephan Lechner, k. Studienrector u. Professor dahier, (pr.cnf.) starb donnerstags den 7. (siebenten) Juli ab. 5 3/4 U. u. beerd. Sonnabend den 9. e.m., alt 63 Jahre 7 Monate u. 25 Tage. Krankheit: Wassersucht. 14

Wahrscheinlich wurde Lechner auf dem Friedhof bei der Lorenzkirche beerdigt, der jedoch schon 1855 geschlossen und 1906 in eine städtische Anlage umgewandelt wurde. 15


1 frdl. Hinweis von Dr. Axel Herrmann, Hof

2 Pfarramt Erlangen-Neustadt, Universitätsmatrikel, Heiratseintrag 27. 2. 1786, Taufeintrag 15.11.1789, mit frdl Hilfe von Herrn Kurt Modschiedler, Erlangen

3 Mulzer, Günther, Die Geschichte des Gymnasiums (IV), 1810 bis 1918, http://www.jean-paul-gymnasium.de/unsere-schule/geschichte-des-gymnasiums/1810-bis-1918.html

4 Dr. Axel Herrmann, Des höfischen Gymnasiums Jubiläum, 450 Jahre Jean-Paul-Gymnasium Hof, Festschrift 1996, S.111

5 Allgemeine Literaturzeitung vom Jahre 1816, Dritter Band, September bis December, Literarische Nachrichten, Halle und Leipzig 1816, S. 439 und 440.

6 Jahresbericht über die Königliche Gymnasialanstalt zu Hof im Ober-Mainkreise, Hof 1818, S. 8ff

7 Bayerische Staatsbibliothek, Signatur 4 Bavar. 2200 I 16m-1817/30, Digitale Bibliothek

8 Jahresbericht über die Königliche Studienanstalt zu Hof im Ober-Mainkreise, Hof 1828

9 Neue Jahrbücher für Philologie und Pädagogik oder Kritische Bibliothek für das Unterrichtswesen, hg. von Dr. Gottfried Seebode, M. J. Chr. Jahn und Prof. Reinhold Klotz, 7. Jahrgang, 19. Bd., 1. Heft, Leipzig 1837, S. 227.

10 Verzeichnis aller Programme und Gelegenheitsschriften, welche an den K. Bayer. Lyzeen, Gymnasien und lateinischen Schulen vom Schuljahr 1823/24 bis zum Schlusse des Schuljahres 1859/60 erschienen sind … Bamberg 1862, S. 32

12 Königlich Bayerisches Intelligenz-Blatt für Oberfranken:Auf das Jahr 1839, S. 967

13 Dr. Reinhard Höllerich, Der Anfang und seine Schwierigkeiten, in: 150 Jahre Johann-Christian-Reinhart-Gymnasium, Festschrift und Jahresbericht Hof 1988, S. 30.

14 Dekanatsarchiv Hof , Sterberegister, +1853/166 Hof, 116

15 Dr. Ernst Dietlein, Chronik der Stadt Hof, Band IV Kirchengeschichte, Hof 1955, S. 567.