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Theaterworkshop: Ein besonderer Start ins neue Jahr Drucken
Geschrieben von: Anne Leupold, Leoni Heller, Theresa Reiß, 10a  

Wir Schüler der zehnten Klassen des Johann-Christian-Reinhart Gymnasiums hatten heuer einen ganz besonderen Start ins neue Jahr. Am ersten Schultag hatten wir Unterricht, der sich enorm von unseren herkömmlichen Stunden unterscheidet. Experten vom Theater Hof brachten uns in unterschiedlichen Workshops das Theaterleben mit Bezug zu der Oper Carmen von George Bizet näher. So hatten wir Gelegenheit in jeweils einem von sieben Kursen, für den wir uns bereits vor den Ferien hatten anmelden müssen, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und am folgenden Tag das populäre Stück in einer verkürzten Version anzuschauen.

 

Nachfolgend beschreiben wir zwei der Workshops, an denen wir selbst teilgenommen haben:

In dem Workshop „Bühnengestaltung“ erhielten wir zunächst in einem kurzen Vortrag Informationen  über die wesentlichen Unterschiede zwischen Bühnenmalerei und Theaterplastik. Bei ersterem wird, meist mittels Rastertechnik, eine Hintergrundkulisse auf ein Stofftuch gemalt. Zweiteres beschäftigt sich mit dem Schaffen von Requisiten, die auf der Bühne zu sehen sein werden.

Unser Workshop selbst befasste sich mit der Theaterplastik und bot jedem Teilnehmer die Möglichkeit, einen antiken Bilderrahmen herzustellen. Das mag zunächst einmal langweilig klingen, war jedoch ein sehr zeitaufwändiges Projekt, dessen Ergebnisse sich auch auf jeden Fall sehen lassen können. Zwar fertigten wir unsere Arbeiten nicht in einer Mal-oder Schreinerwerkstatt am Theater, die Materialien, die dort aber verwendet werden, waren die gleichen die wir auch bekamen: einfache Utensilien. Denn leider verfügen Theater nicht über das nötige Geld, um teure Bastelartikel für ihre Bühnenbilder zu kaufen. So begnügten wir uns also mit einem Bilderrahmen aus Holz, Pappe, Kleber und Farbe. Zunächst schnitten wir uns die Pappe individuell zurecht, klebten sie auf dem Rahmen und grundierten sie schwarz. Um den antiken Flair zu erzielen, bemalten wir sie abschließend noch mit goldener oder silberner Farbe. Wer denkt, dies sei ein schneller Prozess gewesen, irrt sich gewaltig! Viele von uns standen nämlich vor dem Problem, dass der Kleber nicht gehalten hat, sodass sie mehrmals mit Heißkleber nachhelfen mussten. Nach ungefähr fünf Schulstunden hielt dann jeder einen fertigen und auf alle Fälle gelungenen Bilderrahmen in der Hand.

Da muss man sich mal vorstellen, wie lange die Vorbereitungen für ein komplettes Theaterstück andauern, wenn wir bereits für einen Bilderrahmen so viel Zeit benötigten.

Thilo Andersson brachte uns in seinem Schauspielworkshop zunächst das Stück selbst näher, bevor er mit uns die Hauptpersonen aus Carmen charakterisierte.Diese Charakterisierungen wurden ausgetestet, indem wir vor die Frage gestellt wurden: Wie funktioniert Carmen oder eine der anderen Personen? Mit spielerischer Intelligenz tasteten wir uns im Laufe des Vormittags an das Schauspielen heran und machten viel Improvisationstheater. So entstanden letztendlich zwei Szenen, in denen wir selbst die Hauptcharaktere darstellten. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es ein lehrreicher Kurs war, bei dem Spaß und Humor nicht vergessen worden sind.

Neben diesen beiden Workshops gab es die Workshops Präsenz auf der Bühne, Regie und Szenenarbeit, eine Chor- und Musikwerkstatt und den Tanzworkshop Jazzdance meets Carmen.  Dieser etwas andere Schultag endete mit einer Werkstattpräsentation der Arbeitsergebnisse in der Turnhalle, in der sich ganz unerwartete Begabungen zeigten.

Die Aufführung der Oper am Tag darauf erfolgte in der Originalsprache Französisch. Dadurch, dass die kurzen Dialoge jedoch auf Deutsch gehalten wurden, konnte jeder dem Stück recht gut folgen.

Spanien um 1820: Die Sonne brennt heiß, und die Gefühle auch. In einem kleinen Dorf kommen sich die dort stationierten Soldaten und die Arbeiterinnen einer Zigarettenfabrik näher. Hier arbeitet auch die Zigeunerin Carmen, in die sich der Soldat Don José verliebt. Doch er ist nicht der einzige, der an Carmen sein Herz verliert: Ein Offizier und ein Stierkämpfer sind ebenfalls an ihr interessiert. Doch Carmen ist anders als alle anderen Frauen. Sie liebt ihre Freiheit über alles, mehr als jeden Mann, was für sie und den pflichtbewussten Don José schließlich zur Katastrophe führt: Eifersüchtig ersticht er die Geliebte, die er nicht besitzen kann und gleichzeitig nicht loslassen will.

Die Diskussion über die Inszenierung und die Eindrücke des Workshops klangen in den Musikstunden dieser Woche nach.

Alles in allem war es ein sehr gelungenes Projekt und wir hoffen, dass auch die folgenden zehnten Klassen von der Zusammenarbeit unserer Schule mit dem Theater profitieren können.

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