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Qreativer Abend der 12Q Drucken
Geschrieben von: Magdalena Hertrich & Henry Mörtl beide Q12  

Das Reinhart-Gymnasium hat eine musikalische Tradition, die sich auf vier Konzerte und einige Nebenangebote im Jahr erstreckt. Dieses Jahr kam zusätzlich ein weiteres großes musikalisches Ereignis in der Aula unseres Gymnasiums hinzu: Die diesjährige Q12 veranstaltete aus eigener Feder einen „Qreativen Abend“, der am 10.02.2017 ab 18:30 Uhr die Aula von einer Pausenhalle in ein farbenfroh klingendes Bild der gelebten Musik verwandelte.

Bevor jedoch dem Abend selbst die ihm zustehenden Worte ausgesprochen werden, will ich den Weg, der zugegebenermaßen nicht immer leicht und eben vor unseren Füßen lag, umreißen. Kurz vor Weihnachten hatten einige Mitschüler gleichzeitig die Idee, das musikalische und künstlerische Potential unserer Jahrgangsstufe vor Ende unserer Schullaufbahn noch einmal zu nutzen und in einem völlig eigenen Kontext darzubieten. Sozusagen ein Abend nur von der Q12. Gesagt, getan wäre jetzt schön gesagt, die Wahrheit ist jedoch, dass die Ferien und zwei Wochen Schule ins Land gingen, bis die ersten großen Schritte getätigt wurden. Das Engagement schrumpfte jedoch nicht und so sprach man mit der Schulleitung, traf sich zu Besprechungen und fertigte, mehr als einmal, Proben- und Besetzungspläne an. Fest geplant war nur der Termin des Abends, der Rest entstand kurzfristig und lief dafür herausragend gut. Die Proben, die wegen des Unterrichts, der anstehenden Prüfungen und des Abiturs fast ausschließlich am Nachmittag und einmal sogar am Samstag im Musiksaal der Schule – an der Stelle noch mal ein Dank für die Erlaubnis der Schulleitung und an den Hausmeister, der uns alles aufschloss, was wir brauchten – stattfanden, waren immer gut besucht und selten regte sich Unzufriedenheit oder Langeweile. Und auch wenn von Seiten der Lehrer immer wieder Zweifel ob dieses kurzfristigen Projektes laut wurden und sich manchmal auch, aus menschlichen Gründen, leiser oder auch lauter Widerstand regte, verhinderte das nicht, dass der Abend unaufhaltsam näher rückte. Die Generalprobe am Donnerstag vor dem Konzert war noch recht nüchtern und zweckmäßig, wurde dennoch von zufälligen Zuhörern mit regem Applaus unterstützt. Diese Probe war auch die erste, in der unsere musikalischen Experimente auf fachgerechte Ohren trafen, denn Musiklehrer Johannes Müller hörte zu und gab letzte Ratschläge und Tipps. All die vorhergehenden Proben standen unter Leitung der Schüler selbst, davon die meisten von Henry Mörtl, der musikalische Unklarheiten stets durch sein Musikverständnis zu lösen wusste. Er nahm auch organisatorisch die Hauptlast auf sich und wurde bei allen Nachfragen und Problemen, die zu klären waren, als Ansprechpartner herangerufen. Als weitere tatkräftige Träger der Veranstaltung sind noch Alina Ritter, Julian Kammerer, Michelle Skrzydlo, Lotte Krüger und Magdalena Hertrich zu nennen.

Für den Abend hatten sich außerdem noch einige Freiwillige aus der Jahrgangsstufe gefunden, die sich um den Ausschank und den Verkauf von Essen kümmerten, da die Veranstaltung nicht nur geistige, sondern auch leibliche Kost zur Verfügung stellte. Als die Aula gut gefüllt war und die Scheinwerfer sich auf die Bühne richteten, die Gäste begrüßt und der Abend offiziell für begonnen erklärt wurde, die beiden Moderatoren Michelle Skrzydlo und Alina Ritter den ersten von vielen sympathisch flachen Witzen losgelassen hatten und alle Augen sich gebannt auf die sich formierenden Schüler richteten, startete gleich die komplette Besetzung: Band, Chor und Solisten mit dem Indie-Hit „Little talks“. Das fetzige Stück, das mit Saxophon und Kazoos einen knalligen Bläsersound verpasst bekam, weckte sofort die Lebensgeister und machte das Publikum reif für eine geballte Ladung Unterhaltung und Gefühle, die sie diesen Abend zu erwarten hatten.

Denn gleich nach diesem energiereichen Beginn wurde es schon wieder ruhiger als Greta Plietsch, begleitet von Lotte Krüger an der Harfe, das Rockstück „Feeling good“ neu und spannend in einer akustischen Form präsentierte und sich, wieder einmal, schnell und erfolgreich in die Herzen der Zuhörer sang.

Und da auf dem Programmblatt nicht nur Musik, sondern auch Theater und Literatur angekündigt wurden, betraten gleich danach die Schülerinnen Magdalena Hertrich und Alina Ritter die „Stage“ und präsentierten kurzweilig einen Sketch nach Loriot: „Das mündliche Abitur“, in dem eine Schülerin jede Frage ihres Prüfers zwar falsch, aber dennoch lustig und schlagfertig beantwortet. Gerade die selbst eingebaute Schlusspointe: „‘Das war ein glatter Durchfall!‘ – ‘Dagegen helfen Cola und Salzstangen…‘“ sorgte für schallendes Gelächter.

Doch nicht nur die lustigen Seiten des Lebens wurden an diesem Abend bedient: Mit dem Rock-Klassiker „Dreamer“ von Ozzy Osbourne schlug Sänger Henry Mörtl, begleitet von der Band und Chris Wandsleb am Keyboard, bewusst nachdenkliche Töne an. Vor allem die Zeile „Ich hab den Text vergessen und muss kurz nachschauen.“, dem Melodieverlauf angepasst, sollte auf die akuten Probleme unserer Welt hinweisen, die von immer stärker ausufernder Demenz gefährdet wird.

Und wo man von großen Problemen spricht, dürfen auch Liebesprobleme nicht fehlen, und so stimmte die Popballade „Broken strings“ die sentimentalen Töne an, in denen die männlichen und weiblichen Sänger des Chors, Julian Kammerer zum zweiten Mal in Doppelbesetzung Klavier plus Gesang, die traurige Geschichte zweier sich Liebenden erzählten, die sich auseinandergelebt hatten. Manchmal muss man sich gehen lassen, um nicht dem Zwang zu erliegen.

Ähnlich freigeistige Züge hatte auch das selbstgeschriebene Gedicht von Julia Kirsch. „Blätter rauschen sanft im Winde, tanzen durch die milde Luft“ erzeugt Bilder, die dem Titel „Herbstgedanken“ gerecht wurden und erlaubten, sich für einen Moment romantischem Denken hinzugeben und sehnsuchtsvoll in der Natur zu schweifen.

In diesem Gefühlszustand ließ einen das Instrumentalstück „La Source“ von der großartigen Harfistin Lotte Krüger noch einen Moment länger verharren. Während die Finger auf den Saiten gleichermaßen schwere wie leichte Akkorde erzeugten, war es fast unmöglich der Magie dieses Instrumentes zu widerstehen und nicht ins Träumen zu kommen.

Und geträumt wurde auch im nächsten Stück, nämlich in „Hey Jude“ von den Beatles, in dem zum ersten Mal der Chor alleine sein Können zeigte, nur leicht unterstützt von Julian Kammerer am Klavier und Timo Friedrich an der Gitarre. Hier wurde das Publikum mit verteilten Leuchtstäben und aller Art von Lichtern selber aktiv und wiegte sich im Takt vom bekannten „Na-na-na-nanana-naaaa“ mit dem Chor mit.

Danach hatte das Publikum zum zweiten Mal die Chance, Greta Plietsch als Solistin zu hören, begleitet von Chris Wandsleb am Klavier, diesmal mit dem Stück „Let it go“, jedoch nicht aus dem Disney-Film „Frozen“, sondern aus der Feder von James Bay. Und es muss gar nicht erwähnt werden, dass sie wieder voll und ganz überzeugte.

Jetzt wäre normalerweise der Ungarische Tanz gekommen, der laut und „typisch romantisch“ energiereich eingeschlagen hätte, aber leider war einer der Beteiligten, Paul Wirth, am selben Tag erkrankt und konnte nicht erscheinen.

Energiereich ging es dann trotzdem im letzten Stück vor der Pause zu, mit „Rolling in the deep“ schmetterten Chor, Greta als Solistin und die Band den Hit so überzeugend, dass sich niemand durch die Pause zum Heimgehen locken ließen. Die Band bestand übrigens aus Lea Rauh am Bass, Timo Friedrich an der Gitarre, Julian Kammerer am Klavier und – tatsächlich als einzige Nicht-Schüler-Besetzung, weil wir leider keinen richtigen Schlagzeuger in der Q12 haben – Geschichts- und Englischlehrer Stefan Heppner am Schlagzeug.

Nach der Pause wurde das „gewässerte und gesättigte“ Publikum mit zwei Liedern begrüßt, die schon zwei Jahre zuvor, beim ersten Jahresabschlussabend, großen Zuspruch gefunden hatten: „She said“ und „Freedom“. Julian, Timo, Henry, Greta und Herr Heppner (als Schüler muss ich das so schreiben, nicht Stefan :D) unternahmen einen Ausflug in die Welt des bluesigen Hip-Hop und des Western und brachten altbekannte und auch neue Klänge in die Ohren der Zuschauer.

Bluesig blieb es auch im nächsten Stück, denn mit „Take five“ spielten Lotte (Harfe) und Henry (Saxophon) nicht nur einen der großen Standards des Jazz, sondern gaben ihm durch die außergewöhnliche Besetzung auch noch eine eigene, interessante Note, welche nach dem Applaus zu urteilen auf große Begeisterung stieß.

Auch das folgende Stück war dem Publikum bereits bekannt, jedoch aus ganz anderem Kontext: Die bekannte Ballade von Simon & Garfunkel „Bridge over troubled water“, die bekanntermaßen nicht nur „aus dem letzten Jahrtausend“ stammt, sondern vor einigen Jahren bereits vom Oberstufenchor performt wurde, erhielt eine neue Farbe durch das gesangliche Duett von Greta und Henry, das sogar dem ein oder anderen ein kleines Tränchen in die Augen zu zaubern vermochte.

Wo wir gerade den Oberstufenchor genannt haben wollen wir gleich bei diesem bleiben. Herr Müller hat nämlich, auf unsere Bitte, noch einmal zwei alte Klassiker der Chorgeschichte unserer 12er ausgegraben und extra für diesen Abend vorbereitet: Mit „Sound of silence“ und „I see fire“ kamen noch einmal Stille ins Publikum und Feuer auf die Bühne und lieferten damit die beste Stütze, die das letzte reguläre Stück des Abend brauchte.

Denn, so Henry Mörtl, die Wahl des letzten Stückes sei ihm sehr schwer gefallen und die endgültige Entscheidung sei erst Minuten vor dem Auftritt gefällt worden. Seine Bedenken jedoch wurden von seiner Performance beseitigt, denn er rockte Joe Cockers „Up where we belong“ so überzeugend, dass sich sogar Herr Müller ein „Nicht schlecht“ nicht verkneifen konnte. Obwohl das eine klare Untertreibung ist und eigentlich der weibliche Part der Besetzung fehlte, schaffte Henry es, durch seine gesangliche Variabilität die Stimmfarbe Joe Cockers auf die Bühne zu bringen und bei vielen eine Gänsehaut zu verursachen und nach den letzten Tönen einen Jubelsturm auszulösen.

Und wie es sich für einen solchen Abend gehört, wurde danach gedankt, den Musikern, die sich beteiligt haben, Herr Müller für seinen Rat, „Musikmeister“ Henry Mörtl für sein außerordentliches Engagement sowie unzählige Stunden an Planung, der Schulleitung und den fünf Lehrern, die da waren und all den andern, die uns unterstützt haben, sowie den Technikern Bastian Janz und Bernd Jahn, die mit Licht und Ton erst alles möglich gemacht haben und einen schönen und passenden Rahmen um das ganze Musik-Zeugs gemalt haben. Veranstaltungstechniker sind und bleiben nun einmal die stillen Helden hinter den Musikern, ohne die ein Abend wie dieser nicht erwähnenswert gewesen wäre.

Nach über 120 kurzweiligen Minuten auf den Stufen der Aula und anregenden Gesprächen während der Pause erklatschte sich das beste Publikum der Welt die Zugabe „Griechischer Wein“ vom Oberstufenchor und wurde damit lustig und fröhlich in eine schöne Nacht entlassen.

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