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Mauer, Zaun und Stacheldraht – Exkursion nach Mödlareuth Drucken
Geschrieben von: Jochen Frank  

Für die 10. Klassen steht Berlin im Rahmen des Geschichts- und Sozialkundeunterrichts in gewisser Weise gleich doppelt auf dem Programm. Vor dem Besuch der Bundeshauptstadt im Juli ging es bereits für alle Klassen der Jahrgangsstufe nach „Klein-Berlin“, in das kleine geteilte Dorf Mödlareuth.

Die einzelnen Klassen beschäftigten sich dort im Deutsch-Deutschen Museum einen ganzen Vormittag intensiv mit der Geschichte des kleinen Dorfes, das heute zur Hälfte zu Thüringen und zur Hälfte zu Bayern gehört. Die Schüler tauchten ein in die letzten 500 Jahre der Dorfgeschichte und widmeten sich vor allem intensiv der Zeit von 1945 bis 1990. In diesen Jahrzehnten trennte der Tannbach in Mödlareuth DDR und BRD, somit also auch Warschauer Pakt und NATO. Zwei politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Welten prallten entlang des Eisernen Vorhangs und somit also auch in dem kleinen Ort aufeinander. Anhand verschiedener Ausbaustufen der innerdeutschen Grenze erarbeiteten sich die Schülerinnen und Schüler einen Blick auf die beiden deutschen Staaten und die gegenseitigen Beziehungen. Im Freigelände des Museums lernten die Klassen den möglichen Aufbau des Grenzgebietes der DDR zur BRD kennen und spürten die Unterschiede im Grenzverständnis der beiden Staaten. Während von Seiten der BRD lediglich eine Überwachung der Grenz erfolgte, wurde die Grenze durch die DDR bewacht. Ein über 5km breites Grenzgebiet wurde seit 1952 systematisch auf- und ausgebaut. Die Grenze in Mödlareuth wurde seit 1966 zusätzlich in besonderem Maße durch die DDR gesichert, da hier auf rund 700m eine Mauer errichtet worden war. Trotz dieser Mauer kam es in den 1970er Jahren zu einer spektakulären Flucht im Ortsgebiet, als ein Mann mit seinem Auto und einer kleinen Leiter es geschafft hatte, die rund 3,30m hohe Mauer rasch zu überwinden, ohne von den Grenzsoldaten aufgehalten worden zu sein. Diesen Fluchthergang erschlossen sich die Schüler selbst, indem sie sich mit einigen Auszügen aus den Untersuchungsakten der Staatssicherheit beschäftigten. Diese anspruchsvolle Quellenarbeit liefert einen anderen Zugang zum wissenschaftlichen Arbeiten im Fach Geschichte, was im Rahmen des regulären Unterrichts in dem Maße nicht so einfach möglich ist. Anhand von Originalfotos der Staatssicherheit konnten schließlich die Flucht im Detail gedanklich rekonstruiert und das Verhalten der Grenzsoldaten bzw. der folgenden staatlichen Maßnahmen beurteilt werden.

Trotz deutlicher Unterschiede gibt es viele Parallelen hinsichtlich der Geschichte und der Grenze in Berlin und in Mödlareuth. Der Besuch des kleinen Dorfes dürfte daher sicherlich bereits einen inhaltlichen Vorgeschmack geliefert haben auf das, was im Juli in Berlin folgen sollte.

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Die Klasse 10c vor den Resten der Mödlareuther Mauer